Die handgeschriebenen Bücher von Torres García:
Zwischen der Kultur der Sprache und der Kultur des Bildes



Blättert man die faksimilen Ausgaben der handgeschriebenen Bücher von Joaquín Torres García durch -Foi; Père Soleil; Ce que je sais, et que je fais par moi même; Raison et nature, La tradición del hombre abstracto; La ciudad sin nombre- so zeigt sich ein harmonisches Miteinander von Schriftzeichen und figurativen Zeichen.

Keins der beiden überwiegt das andere: weder ist der Text illustriert durch die Zeichnungen, noch wiederholen die Zeichnungen den Text; beide Sprachen kreuzen sich ständig.

Der Text, handgeschrieben mit der Feder auf grobem Papier, wird zur Kunst, indem er verschiedene Größen und Positionen auf dem Blatt einnimmt. Er bricht so mit der Anordnung in klaren, parallelen Linien, mit gleichmässigen Abständen zwischen den Buchstaben und den Zeilen, kurz: er bricht mit allen Normen, an die wir durch die alphabetische Kultur des Buches gewöhnt sind, in der Gleichmässigkeit einer Buchseite betont, in ihrer Raumaufteilung und der linearen Anordnung.

Torres García versteht es so, Aspekte der gesprochenen Sprache in visuelle Sprache umzusetzen. Durch die unterschiedliche Größe hebt er bestimmte Wörter oder Textabschnitte hervor, lässt andere in den Hintergrund treten, so wie es ein Sprecher mit seiner lauteren oder leiseren Stimme macht. Gleichzeitig werden die dargestellten Gegenstände in abstrakte, geometrische Zeichen verwandelt, sie werden zur Bildersprache. Auf diese Weise vereinfacht, löst sich die Zeichnung von den Gesetzen der Perspektive um nur auf der ebenen Buchseite zu spielen.

Diese piktographischen Zeichen überschneiden sich, überlagern sich und aunterhalten sich mit der Schrift, wie Gesten, wechseln ab zwischen Kontinuität und Unterbrechungen, je nach den Bedürfnissen der Inhalte, nehmen dem Leser die Unterscheidung zwischen Text und Bild ab.

Die plastisch-ideographischen Aspekte des Zeichens und die Konzepte des geschriebenen Wortes verhalten sich wie Fremde zueinander und ergänzen sich doch gleichzeitig. Jeder setzt seinen Dialog fort, aber beide treffen sich auf einer Wahrnehmungsebene, in einer Bedeutungsexplosion.

Vergleiche: Miguel Battegazzore, Joaquín Torres García: la trama y los signos (Montevideo: Impresora Gordon, 1999; S. 161 und 162).

Faksimile Auflagen der handgeschriebenen Bücher

Von den ungefähr 25 handgeschriebenen Büchern, die Torres García als Einzelexemplare schrieb und die er selbst in kunsthandwerklicher Arbeit band, sind bis heute nur sieben Bücher verlegt worden, alle als getreue Nachbildungen. Im folgenden wird die Liste dieser Bücher aufgeführt, mit der Angabe des Datums, an dem die Originale geschrieben worden sind und dem der ersten Veröffentlichung.


1. FOI.
Das Datum des französischen Textes wird vom Autor mit dem 5. Januar 1930 angegeben. Erste Auflage: keine Angaben von Verlag oder Druckerei. Auf der Innenseite des Deckblatts steht "1931". Format 14 x 11 cm, 34 Seiten ohne Seitenangabe. (Es handelt sich um eine neuere Auflage, die sicher in Montevideo erstellt wurde.)


2. CE QUE JE SAIS, ET CE QUE JE FAIS PAR MOI MÊME.
Datumsangabe: Losones (Schweiz), 5. Septmeber 1930, französisch. Erste Auflage: Fundación Torres-García, Montevideo, 1974. Format: 21,5 x 19 cm, 36 Seiten ohne Seitenangabe.


3. PÉRE SOLEIL.
Datumsangabe des Autors: Paris, 29 Juli 1931, französisch. Erste Auflage: Fundación Torres-García, Montevideo, 1974. Format: 17 x 12,5 cm, 72 Seiten ohne Seitenangabe.


4. RAISON ET NATURE: THÉORIE.
Datumsangabe des Autors: Paris, Mai 1932, französisch. Erste Auflage: Montevideo, 1954. Format: 25,5 x 19,5 cm, 46 Seiten ohne Seitenangabe. (Obwohl auf der Innenseite des Deckblatts "Verlag Imán, Paris 1932" steht, ist das Buch zu Lebzeiten des Autors nie veröffentlicht worden.)


5. LA TRADICIÓN DEL HOMBRE ABSTRACTO (Doctrina constructivista). Datumsangabe des Autors: Montevideo, Oktober 1938, spanisch. Erste Auflage: Veröffentlichungen der Vereinigung der Konstruktivistischen Kunst (AAC), Montevideo, 1938 (Lacaño Hnos. Impresores) Format 20,5 x 15,5 cm, 78 Seiten ohne Seitenangabe.


6. LA CIUDAD SIN NOMBRE.
Datumsangabe des Autors: Montevideo 16. Dezember 1941, spanisch. Erste Auflage: Vereinigung der Konstruktivistischen Kunst (AAC), Montevideo, 1941 (Druckerei LIGU) Format 15 x 11,5 cm, 106 Seiten ohne Seitenangabe.


7. LA REGLA ABSTRACTA.
Datumsangabe des Autors: 5. Februar 1946; veröffentlicht in: Nueva Escuela de Arte en el Uruguay (Neue Kunstschule in Uruguay), Malerei und konstruktivistische Kunst. Beitrag zur Kunst der drei Amerikas. Erste Auflage: Vereinigung der Konstruktivistischen Kunst (AAC), Montevideo, 1946. (Druckerei LIGU) Format 33,5 x 24,5 cm, 16 nummerierte Seiten.